Ich bin eine Frau.
Und diese Wahrheit hat mir mehr Schläge, mehr Hass und mehr hämischen Spott eingebracht, als jede Lüge jemals hätte tragen müssen.
„Ich habe dich gewarnt, dass Ehrlichkeit nichts bringt. Die Welt funktioniert nicht so.“
Ich war naiv genug zu glauben, Ehrlichkeit würde befreien. Dass das Gewicht von mir abfällt, wenn ich aufhöre, mich selbst zu verstümmeln, um in eure Schablonen zu passen.
Für einen winzigen Herzschlag lang war es so: Mein Körper war endlich meiner. Mein Name fühlte sich an wie ein Zuhause, in dem Licht brennt.
„Ein Irrtum. Ein kurzer hormoneller Höhenflug – Das war absehbar.“
Dann kam die Kälte. Nicht die von innen – die kenne ich.
Sondern die von draußen. Von dieser angeblich „toleranten“, „offenen“ Gesellschaft, deren Freiheit nur gilt, solange sie in Schubladen passt.
„Du hast provoziert. Natürlich reagieren Menschen darauf.“
Die Straßen werden Feindesland.
Blicke schneiden wie Rasierklingen in meine Haut. Worte treffen wie Pflastersteine.
Und manchmal bleibt es nicht bei Worten.
Es sind Hände und Füße die mich treffen.
Es ist der Rotz eines Fremden in meinem Gesicht.
Es sind Sätze, die mich zur „Missgeburt“ erklären, zum „Fehler im System“.
Ich hatte keine Wahl, wer ich bin. Ich habe mich nicht für dieses Leben „entschieden“, ich habe nur aufgehört, meine Existenz zu verleugnen.
Aber ihr habt die Wahl.
Jeden Tag.
Ihr entscheidet euch für Hass,
für das Wegsehen,
für den Schlag.
„Emotionale Übertreibung – Einzelfälle.“
Als müsste ich um Erlaubnis bitten, zu atmen.
Als wäre meine bloße Existenz eine Kriegserklärung.
„Niemand zwingt dich, aufzufallen. Du könntest es einfacher haben.“
Ich bin kein Monster. Ich bin kein Angriff auf euch.
Und doch behandelt ihr mich wie eine Bedrohung, die man brechen muss, damit eure kleine, enge Welt wieder „Ordnung“ hat.
„Ordnung ist notwendig. Gesellschaft braucht klare Kategorien.“
Meine Weiblichkeit ist nicht dekorativ.
Sie trägt keine Schleifchen, sie macht keinen Hofknicks, sie passt nicht in euer Weltbild und genau das ist mein Verbrechen.
Ich bin euer Blitzableiter geworden. Für euren ungefilterten Hass.
Ich trage euren Dreck für euch ab. Unfreiwillig. Jeden verdammten Tag.
„Du hättest dich ja anpassen können. Andere schaffen das auch.“
Anpassen bedeutet mich lebendig zu begraben.
Ich glaube an Gleichheit. Radikal. Unverhandelbar.
Ein Planet.
Eine Spezies.
Nicht mehr und nicht weniger.
„Ideologie. So funktioniert die Realität nicht.“
Aber dieser Glaube fängt keine Tritte ab. Er stoppt keine Fäuste. Er macht Drohungen nicht leiser.
„Dann zieh die Konsequenzen daraus.“
Also verbarrikadiere ich mich. Meine Wohnung ist Schutzraum und Käfig zugleich. Die Tür ist zu, die Welt ausgesperrt und ich bin hier drin sicher, aber eingemauert.
Einsamkeit ist der Preis, den ich zahle, um mich sicher zu fühlen.
„Siehst du? Das hast du davon.“
Und dann kriecht dieser Gedanke hervor. Giftig. Feige.
Was, wenn ich zurückgehe?
Was, wenn ich wieder die Maske aufsetze? Ein Leben spiele, das mir nicht gehört?
Nicht, weil es wahr wäre sondern weil diese Lüge nicht bluten muss.
„Endlich vernünftig. Das wäre therapierbar.“
Therapierbar. Als wäre mein Sein eine Krankheit. Als wäre meine Identität eine sexuelle Perversion, die man wegheilen könnte. Ihr nennt es „transsexuell“, weil ihr das Wort „Mensch“ für mich nicht finden wollt. Ihr wollt mich in Kliniken und Diagnosen verstecken, damit ihr euch nicht mit meiner Wahrheit auseinandersetzen müsst.
„Nenn es, wie du willst. Am Ende zählen nur Fakten, und du passt in keine unserer schwarz-weißen Schubladen.“
Wieder „als Mann“ leben.
Ein perverser Gedanke: Sich jeden Tag selbst zu verleugnen, nur um abends körperlich unversehrt nach Hause zu kommen.
Es wäre als ziehe ich mir etwas Totes über, damit ihr mein lebendiges Ich nicht mehr verletzen könnt.
„Überleben ist wichtiger als Authentizität.“
Die Welt befiehlt dir nichts, sie schlägt dich einfach so lange, bis sich die Lüge wie Rettung anfühlt. Bis du freiwillig in dein eigenes Gefängnis zurückkehrst, nur um nicht mehr zu bluten.
„Du nennst es Gefängnis – Ich nenne es Normalität.“
Aber ich weiß: Die Lüge würde mich hinrichten.
Schmerzhafter als eure Schläge.
Lauter als eure Worte.
Ein stiller, sauberer Mord an mir, der keine Spuren hinterlässt,
außer einer leeren Hülle, die für euch wieder normal aussieht.
„Das ist deine Interpretation.“
„Ja, das ist meine Interpretation, die ihr aber mit meinem Blut auf den Asphalt geschrieben habt!“
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