Habt ihr schon mal etwas geträumt, das so schön, so schief und so wunderbar war, dass ihr beim Aufwachen sofort dachtet: Das darf nicht einfach wieder verschwinden.

Ich habe es aufgeschrieben. Und was daraus geworden ist,dürft ihr jetzt selbst lesen. 🌈✨ #stehauffrauchen

#stehauffrauchen, Skyltra und allerhand Unfug gegen die grauen Normen

Es war einmal eine kleine Stadt, die war so geschniegelt und gestriegelt, dass man meinen konnte, sogar die Gedanken müssten dort im Kreis marschieren. Die Blumen standen in geraden Reihen, die Spatzen zwitscherten im Takt, und für alles gab es ein Fach, ein Schild oder eine Schublade.

Vor allem für Menschen.

Die einen galten als ordentlich, die anderen als schwierig. Die einen als vernünftig, die anderen als zu laut. Die einen waren schwarz oder weiß, richtig oder falsch, passend oder unpassend. Dazwischen war in dieser Stadt kein Platz. Für bunt schon gar nicht.

Mitten in dieser Stadt aber stand ein Haus, das sich um solche Dinge herzlich wenig kümmerte. Es war ein bisschen schief, aber auf eine hervorragende Art schief. Eine fröhliche Art. Eine Art, bei der man sofort dachte: Hier wohnt jemand, der lieber Glitzer in die Suppe streut, als sich von einem Lineal die Laune vermessen zu lassen.

Dort wohnte das Stehauffrauchen.

Sie hieß so, weil sie eine ganz besondere Kunst beherrschte: Egal, wie sehr das Leben sie schubste, stupste, rempelte oder ihr mit Schwung eine gemeine Schublade vor die Nase knallte, sie ploppte immer wieder hoch wie ein Korken im Wasser.

Und nicht nur das. Wo immer das Stehauffrauchen auftauchte, passierte etwas Merkwürdiges: Das Schwarzweißdenken bekam Flecken. Die Schubladen klemmten plötzlich. Die grauen Tage fingen an zu schimmern.

Aber der Kampf war nicht immer leicht. Denn in der Stadtmitte standen die Großen Windmühlen der Ordnung. Ihre Flügel waren aus Aktenordnern gemacht, und sie drehten sich unermüdlich im Wind der Vorschriften. Sie mahlten alles klein, was nicht in ein Raster passte, bis nur noch grauer Staub übrig blieb.

„Das ist gegen die Natur der Dinge!“, riefen die Windmühlenwärter mit ihren geschniegelten geschniegelten Schnurrbärten. „Alles braucht seinen Platz! Wer kein Etikett hat, existiert nicht!“

Das Stehauffrauchen sah die riesigen Schatten der Flügel über die Menschen fallen und spürte, wie die Luft eng wurde. Sie sah Leute, die sich duckten, damit der Wind der Windmühlen sie nicht als unpassend wegwehte.

„Aha“, sagte das Stehauffrauchen und zog ihre bunten Strümpfe extra hoch. „Zeit, dem Grau die Frisur zu zerzausen.“

Sie klopfte Skyltra auf den Lenker. Skyltra war kein Pferd und kein Affe. Sie war ein Wesen aus Stahl, Luft und Sternenstaub. Tiefschwarz glänzte sie, und ihre Augen begannen zu glimmen. Für die Wärter der Ordnung war Skyltra brandgefährlich, nicht weil sie biss, sondern weil sie so unberechenbar war wie ein Gedanke, den man nicht einsperren kann. Sie war die personifizierte Störung im System.

„Los geht’s, mein Sternenschatten“, flüsterte das Stehauffrauchen.

Mit einem Surren, das klang als würde Donner kichern, schossen sie los. Sie rasten nicht gegen die Windmühlen, um sie umzuwerfen. Nein, sie tanzten zwischen den Flügeln hindurch. Für die Ordnungswärter sah das aus wie blanke Anarchie, aber für das Stehauffrauchen war es pure Freiheit.

Das Stehauffrauchen griff in ihre Taschen und warf Zauberglitzer direkt in das Getriebe der Ordnung. Und dann geschah das Außergewöhnliche:

Wo der Glitzer die Aktenflügel berührte, verwandelte sich das Papier in Schmetterlinge. Die harten Kanten der Windmühlen begannen zu schmelzen wie bunte Knete in der Sonne. Das mahlende Geräusch der Bürokratie wurde plötzlich zu einer Melodie, zu der man gar nicht anders konnte, als mit den Zehen zu wackeln.

Ein Beamter, der gerade dabei war, ein Schild mit der Aufschrift „Normal“ an eine Haustür zu nageln, hielt inne. Er sah, wie sein Hammer sich in eine Sonnenblume verwandelte. Er sah das Stehauffrauchen auf Skyltra vorbeiziehen, ein wirbelnder Schatten wie aus Regenbögen, und plötzlich erinnerte er sich daran, dass er als Kind eigentlich mal Zirkusdirektor werden wollte. Er riss sich die geschniegelte geschniegelte Krawatte ab, warf sie in die Luft und rief: „Ich bin gar nicht normal! Ich bin eine Sensation!“

Das Stehauffrauchen lachte. „Siehst du“, rief sie über die Schulter, „Schubladen sind nur aus Holz, aber Herzen sind aus Licht!“

Sie kamen auf den Marktplatz, wo die grauen Schubladen wie Festungsmauern standen. Die Leute standen darin festgefroren in ihren Rollen. Der Schweigsame. Die Fleißige. Der Komplizierte.

Skyltra vollführte eine Pirouette, die so unmöglich war, dass die Schwerkraft kurz den Atem anhielt. Mit jedem Kreis, den sie zogen, lösten sich die Beschriftungen auf. Für die Wärter war dieser Tanz ein Angriff auf alles, was sie kannten, doch für die Menschen in den Kästen war es eine Erlösung.

Aus der Schublade „Sonderbar“ trat ein Mann hervor, und kaum berührte der Zauberglitzer seine Schultern, wuchsen ihm Flügel aus purer Fantasie. Er flog nicht weg. Er blieb einfach da und leuchtete so hell, dass die grauen Schatten der Windmühlen verblassten.

„Aber in welche Schublade gehört das denn jetzt?“, schrie ein verzweifelter Wärter und fuchtelte mit seinem Lineal herum.

Das Stehauffrauchen hielt Skyltra direkt vor ihm an. Sie schaute ihm tief in die Augen, bis er das Funkeln darin nicht mehr ignorieren konnte.

„In gar keine“, sagte sie sanft. „Menschen kann man doch nicht einsortieren. Das ist ungefähr so klug, wie den Wind in eine Sockenschublade stecken zu wollen.“

Dann gab  Skyltra Gas. Sie hoben ab, nicht sehr hoch, aber gerade hoch genug, um den Köpfen der Erstarrten die Freiheit vorzutanzen. Ein fliegender Trotzanfall, der die Freiheit markierte.

Wo sie gewesen waren, blieb kein Staub zurück, sondern Leben.

Die Leute in der Stadt begannen, ihre Schubladen zu zersägen und daraus bunte Vogelhäuschen zu bauen. Die Blumenbeete lernten das Tanzen, und die Spatzen sangen fortan in den wunderbarsten, schiefsten Tönen, die man sich vorstellen konnte.

Das Stehauffrauchen zog weiter, das rhythmische Surren von Skyltra im Ohr und den Regenbogen in den Strümpfen. Sie wusste, dass morgen neue Windmühlen gebaut werden würden. Aber sie wusste auch: Solange es jemanden gab, der immer wieder aufploppte wie ein Korken, hatte das Grau keine Chance.

Denn die Welt wird nicht schöner, wenn alles gleich ist. Sie wird schöner, wenn alles leuchten darf.

„Det ordnar sig“, flüsterte sie dem Wind zu. Dann stemmte sie die Hände in die Hüften, grinste ihr frechstes Grinsen und sagte:

„Regeln sind schön und gut. Aber ich bin nicht verrückt genug, alle einfach zu befolgen.“

Skyltra surrte so vergnügt, dass sogar die Spatzen kurz aus dem Takt gerieten. Und dann sausten die beiden davon, dorthin, wo schon die nächste Schublade klemmte, das nächste Schwarzweißdenken Flecken bekam und die Welt dringend ein bisschen Glitzer brauchte.

Ska vi säga så?

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